In einem Brief wendet sich der Pfarrpastoralrat an die Landtagsabgeordneten. Hintergrund ist die Überarbeitung der Landesverfassung von Schleswig-Holstein.

Neumünster, 9.6.2026

Anregung zur Verankerung eines Gottesbezugs in der Landesverfassung Schleswig-Holsteins

Sehr geehrte Frau Abgeordnete Katja Rathje-Hoffmann,
sehr geehrte Frau Abgeordnete Dr. Ulrike Täck,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Hauke Göttsch,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Hauke Hansen,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Dirk Kock-Rohwer,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Ole-Christopher Plambeck,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Sönke Siebke,

im Zuge der geplanten Änderungen der Landesverfassung Schleswig-Holsteins wenden wir uns als katholische Pfarrei Seliger-Eduard-Müller im Zentrum Schleswig-Holsteins mit einem Anliegen an Sie.

Für viele Menschen in unseren Gemeinden ist der Glaube an Gott eine wesentliche Quelle persönlicher Orientierung sowie gesellschaftlicher und politischer Verantwortung. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir es, wenn im Rahmen der Beratungen zur Präambel der Landesverfassung die Aufnahme eines Gottesbezugs berücksichtigt wird.

Als mögliche Formulierung könnte aus unserer Sicht beispielsweise folgender Satz dienen:

„Die Verfassung schöpft aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas sowie aus den Werten, die sich aus dem Glauben an Gott oder aus anderen Quellen ergeben. Sie gründet auf den unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden. “

Aus unserer Sicht soll ein solcher Gottesbezug keine Religion bevorzugen oder Menschen anderer Weltanschauungen ausschließen. Er ist vielmehr Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung und der Einsicht, dass politisches Handeln an Werte und Maßstäbe gebunden bleibt, die über individuelle Interessen hinausweisen. Dabei werden ausdrücklich auch Menschen einbezogen, die ihre Werte aus anderen weltanschaulichen oder humanistischen Quellen ableiten.

Die Pfarrei Seliger Eduard Müller im Pastoralen Raum Holstein Mitte erstreckt sich von Flintbek bis Kaltenkirchen und Bad Bramstedt bis Bad Segeberg. Gerade durch diese besondere Lage erleben wir, wie wichtig gemeinsame gesellschaftliche Werte, Verantwortung und der respektvolle Dialog zwischen unterschiedlichen Überzeugungen für unser Zusammenleben sind. Als katholische Pfarrei vertreten wir viele Christinnen und Christen in Ihrem Wahlkreis und verstehen unser Anliegen zugleich als Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog über die Grundlagen unseres demokratischen Zusammenlebens.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Gedanken in die anstehenden Beratungen einbringen und wohlwollend begleiten. Für Ihre Zeit, Ihre Verantwortung und Ihr Engagement danken wir Ihnen herzlich.

Mit freundlichen Grüßen,

Domkapitular 
Pfarrer Peter Wohs 

Tatjana Philippsen
Pfarrpastoralrat